
Schlüsselfiguren:
Anna (die Motivation in Person und die beste Panoramatourbegleitung), Alex (der geneigte Leser kennt ihn als den besten Ehemann von Welt, kurz: bEvW) und der „vollen Dröhnung“ – 121 km, 1725hm
Everve Gravel Tour 2024 – „Die volle Dröhnung“
Nachdem die Everve Gravel Tour in Albstadt 2023 als erstes Rad- (bzw. Gravel-)Event der Autorin sehr positiv Erinnerung blieb, sollte sie dieses Jahr wiederholt (und ausgeweitet) werden. Mit Anna im Gepäck wurde ein ausgeklügelter Plan entworfen und die Ambitionen eine Schippe höher gelegt: Statt der mittleren Tour letztes Jahr mit ca. 88km und 1000hm sollte es dieses Jahr „die volle Dröhnung“ sein. Nach den mallorquinischen Höchstleistungen ja hoffentlich kein Problem – oder? Ob wir wirklich alle vier Verpflegungsstationen und das Ziel erreichten, dazu später mehr…
Los ging es am frühesten für den armen besten Ehemann von Welt – wenn man ein großes Grüne-Flotte-Auto braucht, sollte man es entweder sehr früh reservieren – oder man holt es eben morgens um sechs Uhr in Gundelfingen ab, weil alle großen Autos in Stadtnähe schon vergeben waren. Nach einer erstaunlich unkomplizierten Einlade-Aktion der drei Räder in „Louise“ (selbst die Grüne Flotte gibt ihren Autos Namen!) und einem kurzen Abstecher zum Bäcker ging es los nach Albstadt.
Dort angekommen entschieden wir uns aufgrund unserer Ankunftszeit keinen Parkplatz weiter oben am Weg zum Waldheim zu suchen, sondern das Auto direkt unten auf dem großen Wiesen-Parkplatz abzustellen und damit die ersten steilen Höhenmeter des Tages bereits vor dem eigentlichen Start anzutreten – das Eventgelände liegt nämlich auf dem Berg. Hallo erster Gang! Long time no see… Ein erstes Espresso-Angebot ignorierend bastelten wir unsere Startnummern an die Räder, gingen nochmal Pipi machen und los ging’s. Entgegen des letztjährigen Eindrucks einer staubtrockenen Schicht Kalkstein auf uns und unseren Rädern erwartete uns dieses Jahr ordentlicher Matsch. Trotzdem hatten wir durchaus Glück mit dem Wetter – genau am Eventmorgen hörte es pünktlich auf zu regnen.
Wir kämpften uns also vor allem im allerersten Streckenabschnitt durch ordentliche Matschpfützen – während der BevW mit dem Hardtail den Spaß seines Lebens gehabt hätte, hätte er nicht ständig auf uns Mädels warten müssen, stieg die Autorin zu Beginn 3mal ab, um kurz durch die schlimmsten Matschpassagen zu schieben – andere Gravelnde mit ähnlich zum Straßenprofil neigenden Reifen taten es mir gleich. Nach dem ersten Kilometer wurde es aber bereits besser und die Autorin auch deutlich mutiger, sodass sie sich erstmals auch traute, einfach durch Pfützen durchzufahren, wenn andere vor ihr das auch taten. (Man sieht nämlich einer Pfütze gar nicht an, was da für Untergrund drunter ist! Daher haben Pfützen schon etwas Gefährliches an sich…)
Bis zur ersten Verpflegungsstation waren wir daher schon komplett im fröhlichen „Schlammparty-Modus“ angekommen. Der Schlammparty-Modus fuhr sich bergab deutlich spaßiger, aber auch deutlich weniger prinzesinnengravelig (und damit auch deutlich weniger leicht bzw. schnell) gegenüber letztem Jahr – ein erster Vorbote dafür, dass beim heutigen Untergrund die „volle Dröhnung“ trotz Training kein Spaziergang werden würde.



Wir genossen auf der ersten Hälfte unserer Dröhnung die abwechslungsreiche Strecke, die später an der Donau und Nebenflüssen entlang führte sowie die zwei Verpflegungsstationen mit Limo, Laugen-, Käse-Speck-Teilchen und Nudelsalat (50kg waren für alle Radelnden vorgesehen). Dabei hatte die Strecke – wie letztes Jahr – einige spektakuläre Ausblicke ins Donautal und die umgebenden Felsen zu bieten, sowie ein paar süße Brückchen, auf denen wir die Donau überqueren durften. Außerdem blühte überall auf der Alb der Mohn – damit kann man die Autorin ja immer catchen!



Nach der zweiten Verpflegungsstation entschieden wir uns trotz den Begebenheiten und der fortgeschrittenen Uhrzeit weiter die „volle Dröhnung“ zu fahren statt auf die mittlere Strecke abzubiegen. Alle anderen um uns herum bogen jedoch auf die mittlere Strecke ab und so wurde es seltsam einsam. Vor allem die Autorin sorgte sich natürlich direkt – aber es gab keinerlei Hinweise zu Cut-Off-Zeiten bzw. wann die Verpflegungsstationen abbauen würden oder einem Mindestschnitt für die große Strecke – und sie waren pünktlich losgefahren und durchaus nicht ganz langsam. Also ging es weiter am Donauradweg entlang. Um die Moral hochzuhalten spritzte der bEvW die beiden Mädels gezielt mit ein paar verfügbaren Pfützen nass – es war nämlich ganz schön warm und angenehm sonnig geworden.

Uns der nächsten Verpflegungsstation (und auch einem Klo mit fließendem Wasser) entgegen sehnend, kamen wir schließlich am gelb leuchtenden „Verpflegung in 5km“ Schild vorbei. Spoiler-Alert: Auf dem Weg von Albstadt zum Bodensee morgen sollten wir ein sarkastisches Foto an ebenjener Stelle mit ebenjenem Schild knipsen. 5km später nahmen wir eine seltsam unnötige Abzweigung auf einen Parkplatz in Beuron – fanden dort aber keine Verpflegung (zumindest kein offensichtliches großes Everve-Zelt) vor und fuhren unverpflegt und mit vollen weiblichen Blasen weiter, um kurz darauf den schlimmsten (im Sinne von verblocktesten) und steilsten Anstieg der Tour und ein (tatsächlich motivierendes) passendes Schild dazu vorzufinden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits dank des Studieren des Kartenmaterials realisiert, dass in Beuron auf besagtem Parkplatz die Verpflegungsstation hätte sein sollen – da aber keiner von uns dreien das zugehörige Zelt annähernd erspäht hatte, sind wir davon ausgegangen, dass dieses bereits abgebaut war und haben uns mächtig geärgert und gesorgt, wie es dann wohl mit der letzten Verpflegungsstation in Stetten aussehen würde… Denn von Abbauzeiten oder einer notwendigen Mindestgeschwindigkeit war ja nirgends auf der Website die Rede gewesen. Mist.
Also kämpften wir uns tapfer den schlimmsten Anstieg in unseren kleinsten Gängen nach oben. Wieder mal erwies sich, dass eine kleine Wutmischung im Bauch doch ungeahnte Kräfte an steilen Anstiegen freisetzen kann. Außerdem wanderte uns ein aufmunternder Typ entgegen, der eigenen Aussagen nach „schon längst abgestiegen wäre und geschoben hätte“. Dabei sah er nicht unsportlich aus! Von hinten näherte sich der Autorin (die mit ihren am ehesten durchrutschenden Reifen und dem höchsten kleinsten Gang das Schlusslicht machte, um Anna hinter sich nicht versehentlich durch spontanes Absteigen müssen zu behindern) eine ebenfalls dezent fluchende weitere Gruppe. Endlich oben angekommen bogen wir dann die Teerstraße hinauf zu einem rettenden Cafe ab statt der offiziellen Route bergab zu folgen. Da half nichts. Etwas zu Essen, frisches Wasser und eine Toilette mussten dringend her – auch wenn uns unklar war, ob wir in Stetten eine weitere Verpflegungsmöglichkeit haben würden oder nicht.
Neben weiblicher Aufregung ob der Organisation wurden zwei leckere Stück Kuchen (entschuldigung – ein Stück Kuchen und eine Heidelbeer“torte“) und drei Limos bestellt, sowie die lang ersehnte Toilettenpause vollführt. Der bEvW ertrug die Laune still und tapfer. Es bestanden mehrere Überlegungen, ob er nicht schon mal losfahren würde, da er es in seiner Geschwindigkeit zeitlich sogar zur Siegerehrung und Tombola noch hätte schaffen können. Als wir unseren Kuchen aßen, sahen wir zudem einen weiteren, leicht verwirrten Radler am Parkplatz des Cafes – es stellte sich heraus, dass die Verpflegungsstation wohl doch am Parkplatz in Beuron noch existiert hatte, aber kaum auffindbar weit hinten stand. Auch da hätte ein Schild mehr uns sicher sehr geholfen… Aber jetzt war das Kind ja schon in den Brunnen gefallen. Aufgrund der kellnerschen Geschwindigkeit dauerte dieser unfreiwillige Stopp recht lange und wir kamen eher spät wieder los.

Unwissend, wie lange uns die Verpflegungsstation in Stetten noch bleiben würde, radelten wir also weiter. Die Handgelenke taten weh, die Beine taten weh, der Popo tat weh. Zudem wussten wir, dass wir zwar schon die Hälfte der Kilometer, nicht aber die Hälfte der Höhenmeter hinter uns hatten. Puh! Typ 1 Spaß wurde langsam aber sicher von Typ 2 Spaß komplett abgelöst… In den Handynotizen der Autorin zu diesem Abschnitt hat sie ihn einfach nur mit „Qual“ beschrieben. Entsprechend war die Laune zumindest bei ihr dezent im Keller. Obwohl sie extra die Musikbox mitgenommen hatten, verwarf sie den Gedanken, diese auch anzumachen – schließlich hätte man dafür anhalten und kurz an der Technik rumfummeln müssen – und was, wenn in genau den zwei Minuten die letzte Verpflegung verschwunden wäre? (Diese natürlich absolut logische Argumentationsweise verdeutlicht nochmal gut, was körperliche Schmerzen und Anstrengung mit geistiger Leistungsfähigkeit anstellen können…)
Schließlich überholten wir irgendwann zwei Männer, die sich am Straßenrand jeweils ein Gel gönnten. Gel brauchten wir immerhin noch nicht, oder? Und wir waren offensichtlich doch nicht die Letzten. Das brachte (zumindest bei der Autorin) ein kurzzeitig gutes Gefühl hervor. Angetrieben vom Gel (und den viel kleineren Gängen und damit erhöhten Trittfrequenz) überholte einer der Herren recht bald, ein sympathisches Hallo wurde unter Schnappatmung angesichts der Steigung ausgetauscht, er wartete dann aber wieder auf seinen Mitstreiter, sodass wir wieder zurück überholten.
Kurz vor Stetten gab es dann noch einen seltsamen Umweg als die Schilder am Wegesrand nicht mehr zum GPS-Track passten – aber wir fanden doch den Weg zurück und schließlich die Anhöhe nach Stetten hinauf. Und was sahen unsere Augen da? Ein Everve-Zelt! Den Göttern sei Dank… Tatsächlich kam einige Minuten nach uns das Lieferantenauto und wollte den Abbau einläuten, aber wir und die beiden Herren hinter uns kamen gerade noch rechtzeitig, um die Nusshefezopfreste erfolgreich zu vernichten und uns alkoholfreie Bier und Wasser sowie einen Espresso zu gönnen. Außerdem verteidigten die beiden engagierten und sympathischen Mädels des Verpflegungsstands tapfer unsere Möglichkeit sich nochmal zu verpflegen, und schickten den Lieferantenmitarbeiter nochmal einen Kaffee trinken.
Der Abschnitt von Stetten nach Albstadt zog sich dann (natürlich) wie Kaugummi. Wiederum geben die Notizen nochmal nur das Wort „Qual“ her. Der bEvW versuchte der Autorin noch ein Reh zu zeigen, das auf einer Wiese stand – nach dem zeigenden Finger des Ehemanns voraus suchte die Autorin aber lediglich (und vergeblich) den Himmel nach Segelflugzeugen ab, statt das Reh zu bemerken.
Dann aber endlich! Der finale Anstieg zum Waldheim war in Sicht. Den hatten wir heute Morgen ja schon einmal – in Erwartung des Schrecklichsten wurde er also angetreten und im Kopf schon gewälzt, welches Bedürfnis jetzt am Schnellsten befriedigt werden musste: Essen, Trinken, Pipi, Goodiebag abholen, Rad waschen, Hotel Check In, duschen?! Wir kamen also endlich oben an – übrigens bei weitem noch nicht die Letzten – und durften neben der Freude, es endlich aber erfolgreich geschafft zu haben, direkt feststellen, dass außer einigen wenigen Laugenteilchen und Wasser/Spezi keinerlei Essens- und Getränkeauswahl für unsere Märkchen mehr da war. Auf die Frage hin, ob wir denn vielleicht für unsere Runde zu spät losgefahren wären und wie unser Schnitt denn gewesen sei, erntete Anna bei wahrheitsgemäßer Antwort, dass wir zwar erst gegen Ende des empfohlenen Startzeitraums (aber bei zwei Stunden Anfahrt vielleicht verständlich) und für Gravel mit ordentlichem 18ner Schnitt gefahren waren, geschockte Blicke, dass das dann eigentlich nicht sein dürfte. Auch die Tombola war schon vorbei. Die Preise wurden schon an unserem letzten Anstieg Richtung Autos an uns vorbeigetragen – so konnten wir nur hoffen, dass wir entgegen des letzten Jahres erst gar nichts gewonnen hätten mit unseren Startnummern. Obgleich das Essensbedürfnis (richtiges Essen) sehr groß war, holten wir ob der zeitgleichen Bredouille erst noch unsere Goodiebags ab – denn auch hier wurde bereits abgebaut. Wir versuchten jeweils nochmal zu betonen, dass wir immer noch nicht die Letzten waren… Schließlich überwog das Essensbedürfnis ganz klar auch das Rad-Wasch-Bedürfnis und wir gönnten uns Maultauschen mit Kartoffelsalat und Linsenbolo mit Käse. Nach einer kurzen Strategiebesprechung bezüglich CheckIn und Rad-ins-Hotelzimmer-Schmuggeln brachen wir schließlich auf zur Radwaschstation von Kärcher – obgleich das letzte gerade frisch geputzte Rad uns noch entgegenkam, wurden wir aber abgewiesen von zwei unwirschen Mädels, die die Station „jetzt aber wirklich abbauen wollten – wir sollten schon um 17 Uhr Feierabend machen und das habe auch auf der Website so gestanden“ und zogen auch hier dezent frustriert wieder ab. Weiterer Plan also: Nicht nur zwei voller Schlamm und Dreck strotzende Gravelräder ins Hotelzimmer schmuggeln und ohne Waschmöglichkeit morgen zum Bodensee weiterfahren, sondern auch ein vor Dreck strotzendes Mountainbike in ein Leihauto legen. Juhu! Nicht. (Keine Angst geneigte Leser, der Abend nimmt gleich wieder eine positive Wendung).
Denn… es geht endlich bergab (und mit der Laune bergauf)! Dank Schmutzdecke aus dem Corsa lies sich das Hardtail auch mit Dreck gut im Auto verstauen und die beiden Mädels rollten bergab zum Hotel (endlich geht es wieder bergab!). Entgegen der Sorgen der Autorin (in die sie sich in solcherlei Stimmungslagen ja gerne mal verstrickt und es ihr gut täte, sich selbst mal zu fragen, was eigentlich im schlimmsten Fall passieren würde um dann selbst auf die Idee kommen zu können, dass alles nicht so schlimm ist…) war ein ausgeklügelter Rad-Hotelzimmer-Schmuggelplan nicht notwendig. Die nette asiatische Hotelbesitzerin zuckte nicht mal mit der Wimper, als die vor Dreck strotzenden Räder an ihr vorbei aufs Zimmer getragen wurden. Nach dreierlei Duscherlebnis und Umziehen legte sich Anna hin während der bEvW und die Autorin mit dem Auto nochmal den Weg zum Konzertabend am Waldheim antraten.
Aufgrund der Learnings des Muskelkaters vom letzten Jahr genossen die beiden die Liveband zunächst sitzend und der weibliche Teil mit dem ersten von zwei sehr großzügigen Aperol (man trinke nun Aperol zum Rockkonzert statt Bier wurde später von einer Männergruppe hinter ihnen richtig festgestellt) um erst anderthalb Stunden vor Ende nochmal vor die Bühne tanzen zu gehen. Auch die Band (deren Mitglieder teilweise selbst geradelt waren) hatte erfolgreich gelernt: Die Nummer mit alle in die Hocke gehen lassen und auf zehn springen haben sie dieses Jahr weggelassen. Danke dafür! Ebenfalls wurde jede Gruppe gefeiert, die sich noch zum Tanzen aufraffen konnte. Nach diesem gelungenen Abschluss wurde die Autorin dann vom besten (und tapfersten) Ehemann der Welt zum Hotel gefahren und hoffte Anna nicht aufzuwecken. Für die beiden sollte es am nächsten Tag weiter gravelnd zum Bodensee gehen – für den bEvW, das Leihauto und sein Hardtail ging es noch zwei Stunden durch die Nacht nach Hause. Auch die Sorge, Anna zu wecken, war unbegründet – für eine ganze Stunde versammelten sich die Fußballfans Albaniens in Albstadt um – trotz verlorenem Spiel – ihre Mannschaft hupend im Autokorso zu feiern. Wir konnten diesen Enthusiasmus irgendwie auch im Hotelzimmer ein bisschen mitfeiern und hofften, dass der bEvW gut nach Hause kam.

Was wir nächstes Jahr gerne tun würden? Mit Tschingalinos und ganzen Familien wieder kommen – aber die mittlere Tour wählen. Die große Tour haben wir ja erfolgreich geschafft – aber die mittlere erlaubt einfach einen insgesamt entspannteren Tag.
Albstadt – Bodensee (Litzelstetten): 97km, 1457hm
Am nächsten Morgen machten sich die beiden Mädels frisch erholt fertig zur ersten gemeinsamen Bikepacking-Fahrt: Anna packte eine Arschrakete, die Autorin einer Lenkerrolle, Top Tube Bag und Food Pouch und los rollten sie durch die Albstadter Innenstadt auf der Suche nach Frühstück. Dabei fanden sie die beste Buffet-Frühstücksoption überhaupt: Ein kleines Cafe, in dem es einfach alles gab! Auf der (dem geneigten Leser bereits bekannten) drei-Gänge-Hotel-Frühstücks-Skala eine glatte 10 mit Sternchen! Selbst frisch gebackene Waffeln und Pancakes waren drin. Dazu frisches Obst, reichlich Gemüse und Aufschnittauswahl – ein Träumchen mit leckerem Cappuccino dazu und für einen sehr erschwinglichen Preis. Absolute Empfehlung für jeden weiteren Albstadt-Aufenthalt.

Weiter ging es mit einem Anstieg nach Stetten – auf prinzessinnenartigerem Gravel auch direkt angenehmer (wenn auch trotzdem ordentlich steil). Die Art des Gravels macht einfach viel aus! Auf dem Weg vorbei am Militärgebiet begegnete ihnen noch ein süßer Fuchs, der vor ihnen über den Feldweg huschte. An diesem Morgen konnten beide die Felder (voller Mohn, Linsen – nicht Mais – und anderen Feldblumen) auch richtig genießen. Außerdem hatten sie alle Zeit der Welt! Ein neben ihnen jagender Falke hatte kein Frühstücksglück – der Siebenschläfer, der einen Meter weiter erfolgreich weghuschte, dafür umso mehr. Außerdem waren beide Mädels sich einig, dass sie für die zwei unachtsam vor ihnen auf dem Weg flirtenden Vögel mit gelben Hintern gerne eine Vollbremsung gemacht hätten. Augen auf beim Frühlingsflirt! (Auf der Alb war schließlich erst Frühling).
Auf dem Weg von Stetten Richtung Donauradweg testeten beide auf einem Zick-Zack-Trail hinunter ins Donautal die neu gestärkten Gravelskills aus und freuten sich über die offensichtlichen Fortschritte (trotz Gepäck). Auch der Donauradweg wurde genussvoller gefahren, waren doch einige Abschnitte von gestern schon bekannt und einige Fotospots wurden daher mit mehr Vorbereitung erfolgreicher fotografisch eingefangen. Wiederum kamen sie an einem kleinen Minikloster vorbei, dessen Bauweise sehr an das alte Rom erinnerte (und das sie eigentlich gestern schon googeln wollten), sowie über diverse schöne Brücken vor Felsformationen, die die Autorin an die zwölf Apostel in Australien erinnerten (nur in schwäbischem Donautal statt australischem Meer).


An einer der Brücken kam es jäh zu einem ebike-Riesengruppen-Stau, da die entgegenkommenden e-Biker mehrheitlich vom Abbremsen und Abbiegen auf die Brücke bei Gegenverkehr überfordert schienen. Ob wenig später die zwei Spaziergänger deshalb vor den ungefährlichen Gravelmädels dezent zusammenzuckten, weil ihnen dieses Rudel bereits von hinten begegnet war? Man weiß es nicht – aber die Vermutung liegt nahe.
Kurz darauf kam es zu einem kleinen Windjackenzwischenfall (die Jacke löste sich von ihrer Position auf der Lenkerrolle und fand ihren Weg ins Hinterrad), sodass die nunmehr wirklich (wie sie von Mathis sowieso schon benannt wurde) Haute Couture Jacke erstmal teilweise fachfrauisch mit einer Pinzette aus der Hinterradbremse entfernt werden musste. Nach kurzer und erfolgreicher OP konnte der Weg aber erfolgreich und mit zwei astrein funktionierenden Bremsen fortgesetzt werden.
Da die beiden bereits wussten, dass in Beuron (vor dem Abbiegen Richtung Bodensee und einem weiteren Anstieg) auch heute Verpflegung essentiell werden würde, fotografierten sie in ironischer Erinnerung an gestern nochmal das „5km bis zur Verpflegung“-Schild und nahmen sich einen Stopp im bereits gestern erspähten Radcafe in Beuron vor. Dort gab es (erfolgreicher als gestern) Aprikosenkuchen und Limo. Sie ließen es sich nicht nehmen, trotz weniger extra-Höhenmeter dadurch nochmal nach dem Everve-Verpflegungszelt zu suchen (denn das in Stetten stand noch), aber auch heute konnten sie keine weiteren Hinweise erspähen, wo genau sie es gestern übersehen hatten bzw. es hätte stehen sollen. Tja.


Weiter ging es noch ein kleines Stück am Donauradweg – wiederum viele schöne Felsformationen, der berühmte übergroße Tisch mit Stühlen in der Donau sowie ein Cafe mit Bademöglichkeit – aber leider hatten sie sich ja gerade erst frisch verpflegt, also fuhren sie weiter. Schließlich ging es einen letzten großen Anstieg durch den Wald (diesmal mit musikalischer Begleitung) nach oben – durch ein weiteres Dorf – und wiederum mit ein paar kleinen Anstiegen hoch auf eine Ebene, von der aus sie eine herrliche erste Alpensicht zwischen hübschen Feldern genießen konnten. Dort ließen sie sich für eine kleine Stärkung nieder. (Neue Erkenntnisse: Cola Maoams sind die besten Maoams und Cliffbars sind zwar arschteuer, aber schmecken auch extrem gut).


Von dort aus machten sie sich auf den Weg nach Stockach, vorbei an einem („Baden verboten“) kleinen Badesee (Fake-Bodensee?) und über einige Dörfer. In Stockach wollten sie eine letzte (herzhafte!) Verpflegungspause machen vor dem Endspurt zum Bodensee. Leider schien Stockach sonntags nur aus geschlossenen tatsächlichen Cafes, Eisdielen und Dönerbuden zu bestehen (die aber „cafe“ im Namen haben und sich erst, wenn man davor steht, als Dönerbude herausstellten). So kehrten die beiden mangels Alternativen in einem Eiscafe ein, wo die Autorin ein Kiwi-Spagetti-Eis und Anna aus Ermangelung an herzhaften Alternativen einen eher schäbigen Toast Hawaii verzehrte und vergeblich auf ihre Eislimo wartete. Aufgrund der Abendessenzeit der Kinder am Bodensee und der allgemeinen Verfassung wurde die weitere Route auf Rennrad umgeplant, um etwas schneller in Litzelstetten anzukommen.

Nach Stockach begann die Umgebung immer mehr nach Bodensee auszusehen: Die beiden fuhren zwischen Obstplantagen hindurch, durch immer mehr kleine Dörfer, an Erdbeerständen vorbei und die Umgebung ließ sich vielmehr als wellig statt bergig beschreiben. Auch die Einfahrt in den Landkreis „Konstanz“ ließ das Ziel schon erahnen. Kurz danach rannte ein Huhn (wie aus dem Film) mit vorgerecktem Köpfchen hektisch vor ihnen über die ansonsten leere Straße. Witzig!. Zwei Rehe hoppelten im Feld links neben ihnen hinter ihrer elegant springenden Mutter hinterher. Süß! (Damit die halb blinde Autorin das auch sah, strengte sich Anna doppelt an, um zu ihr aufzuschließen und ihr das Naturschauspiel rechtzeitig mitzuteilen – Danke dafür!).
Nach einigen sich ziehenden Wellen und kleineren Anstiegen erreichten sie schließlich den Bodenseeradweg und Anna wurde in den letzten 5km immer schneller, kannte sie doch die Umgebung schon und witterte das Part-Time-Zuhause in Litzelstetten. Mehrmals teilte sie mit „das ist jetzt wirklich der letzte km!“ (die Autorin ignorierte also das zeitgleiche Schild mit der Aufschrift „Litzelstetten – 5km“) oder auch „hier geht’s wirklich zum letzten Mal kurz hoch!“. Außerdem fragte sich die Autorin, warum auf Kreuzungen am Bodensee immer wieder drei grüne Kreise auftauchten. Schließlich erklommen sie wirklich die letzte Minirampe und rollten mit Bodensee-Blick hinab zum Schwanenstieg und wurden von der restlichen Familie Wi.-Schmi. enthusiastisch mit Wasser und Obstauswahl begrüßt. Am späteren Abend gab es noch herrliches jakobsches Abendessen mit Steak vom Grill (perfekt gegart natürlich), Knusperkartoffeln und Gemüse sowie zum Dessert frisches Obst und Prapsschralinen. Und zum Einschlafen gab es auch angenehme Seegeräusche statt Hupkonzerte (10/10).


Bodensee – Freiburg (Donaueschingen): 84km, 762hm
Am Vorabend wurde die geplante Gravelroute zurück nach Freiburg schnell am Handy in eine Rennradroutenoption nach Freiburg und eine direktere Alternative zum Bahnhof Neustadt umgewandelt – das Wetter sollte im Schwarzwald spätestens zum frühen Nachmittag kippen, also sollte eine schnelle Route mit Bahn-Abkürzungsoption her. Nach entspanntem Aufstehen, Puzzeln, gegenseitigem Zöpfe flechten und Frühstück rollte die Autorin schließlich alleine los, um den Rückweg nach Freiburg anzutreten. Die ersten beiden Straßen sollten die steilsten des Tages werden – musste man doch vom Schwanenstieg direkt steil nach oben. Im ersten Fünftel des Weges stellte sich die Routenführung ob der nicht vorhandenen Ortskenntnisse und diverser Hochwassersperrungen und Baustellen noch als etwas abenteuerlich und sackgassenfreudig heraus, aber bald hatte es die Autorin auf den Bodenseeradweg Richtung Radolfszell geschafft.

Dort traf sie verschiedenste Sorten e-Biker an (die umsichtigen oder auch diejenigen, die von Links-Abbiegeprozessen, bei denen entgegenkommende Autos mit Vorfahrt sie sogar durchgewunken hätten so überfordert waren, dass sie zunächst halb vom Rad kippten und damit das (eigentlich freundliche) Auto zu einer Weiterfahrt animierten, sich bei den erneuten wackeligen und raumgreifenden Anfahrtsversuchen gezwungen sahen, das eigentlich freundliche Auto lautstark anzuschreien und dabei nochmal fast auf die Fahrbahn umzukippen). Der weitere Bodenseeradweg nach und durch Radolfszell stellte sich als teilweise frisch geteerte (aber leicht durch Gegenwind gestörte) sehr angenehm zu fahrende Radautobahn heraus. Ob der wenigen sicheren Transportmöglichkeiten sammelte die Autorin leider keine frischen Himbeeren ein, die am Straßenrand nebst anderem Obst angeboten wurden – auch wenn sie sehr verlockend waren.
Aufgrund des erwarteten Regens wurde auch die zweite Frühstücksoption in einer Bäckerei, die offensiv mit frischen Waffeln warb, ignoriert und die Autorin setzte ihren hügeligen Weg fort. Schließlich machte sie erst ein gutes Stück später einen Frühstückshalt mit Riegeln und füllte ihr Wasser kurz vor dem ersten langgezogenen Anstieg auf. Mehr und mehr wandelte sich die Umgebung von hügelig zu bergig. Trotz der Beschreibung auf Komoot kam ihr einer der Anstiege auf einer zweispurigen Schnellstraße dann doch eher unangenehm vor – wenn auch ihr mehrere andere Radelnde selbstbewusst auf der nur einspurigen Fahrbahn entgegen kamen und keinerlei Problem damit zu haben schienen, auf dieser 100er Straße mit ihrem Bio-MTB lang zu trödeln.
Machte sie sich eben noch Sorgen um einen potentiellen Sonnenbrand, so nahte doch das vorher bereits recherchierte Wetter ganz klar am Horizont nach dem Anstieg. Neben einem weiteren Riegel versuchte sie die Wettersituation nochmal neu einzuschätzen und gleichzeitig herauszufinden, welche aberwitzigen Straßen Komoot auf dem Handy noch kurzerhand eingebaut hatte – die B31 war da zum Beispiel auch plötzlich in der Route zu finden! Die Autorin beschloss also, sich erstmal bis Geislingen vorzutasten und dort an einer Tankstelle weiter zu überlegen, wie sie mit dem nahenden Starkregen und ihrer Handyroutenplanung verfahren wollte. Auf dem Weg dorthin begegnete sie noch einer sympathischen Mutter mit kleinerem Kind, die vergeblich versuchte ihrer (recht niedlichen) Tochter freundlich beizubringen, dass es ein paar minimale Regeln beim Radeln gibt „Schau mal, alle anderen fahren auch am Rand der Straße und nicht Schlangenlinien in der Mitte“.
Da die Tankstelle sich als für Radfahrer nicht erreichbar herausstellte, folgte ein kurzes Einkehren bei einem Bäcker neben einem Supermarkt und nach kurzer Zeit auch ein erneutes Treffen mit Mutter und Tochter sowie sympathisierendem kurzen Blickaustausch, während die Tochter fast gegen den Tisch der Autorin lief und nach Warnung der Mutter 5cm vor der Tischkante spontan und erfolgreich abdrehte. Die Schlangenlinien schienen also nicht nur ein Rad-Phänomen zu sein!
Aufgrund des Nieselregens also bereits in Geislingen spontanes Umplanen der Route zum Bahnhof Donaueschingen, da die Autorin so vor dem Regen in eine andere Richtung Abbiegen konnte, statt dem Regen genau in Richtung Bahnhof Neustadt entgegen zu fahren. Im Nieselregen also weitere halbstündliche Fahrt von Geislingen nach Donaueschingen, ohne vorher nach den Zugabfahrtszeiten geschaut zu haben – so natürlich erfolgte ein Verpassen des Zuges um genau 10 Minuten. Aufgrunddessen konnte die Autorin sich aber noch nett mit einem vierer Grüppchen Belgiern unterhalten, die mit ihren Hardtails und Trekkingrädern Fahrradurlaub am Titisee machten und ebenfalls wegen des Regens auf die Bahn umstiegen um rechtzeitig zum Fußballspiel zurück im Hotel zu sein. Außerdem erfolgte ein erfolgreiches Stapeln der Räder mit einem weiteren sympathischen Freiburger und den Belgiern in der proppenvollen Bahn nach Freiburg, denn sechs Räder können sich eher Radplätze erkämpfen als eines alleine. Aufgrund der Fülle der Bahn und des nach Hinterzarten wiederkehrenden guten Wetters nach dem Regen radelte die Autorin spontan von Kirchzarten an noch nach Hause und so endete ein gut genutztes verlängertes Gravelwochenende und diese erfolgreiche Mini-Bikepacking-Tour.
